Bezirkszeitung vom 2. Mai 2006:

BEETHOVENS „NEUNTE“  -  EUROPAHYMNE:  

„DIESEN KUSS DER GANZEN WELT!“

Noch nie hat eine Komposition eine so universale Karriere gemacht wie Beethovens Neunte Symphonie. Und noch nie ist die Nachwelt von einer Musik derart in Bann gezogen worden wie von dem Schlusschor „Freude, schöner Götterfunken“, aus dem inzwischen nicht nur die Europa-Hymne geworden ist, sondern so etwas wie die Erkennungsmelodie unseres gesamten Planeten. Noch nie ist ein Werk über so lange Zeit und so global gefeiert worden.

Alles, was heute dem Werk als Würdigung und Wirkung widerfährt, vom „Weltkulturerbe“ bis zum „Song of Joy“, ist das Echo auf die leidenschaftliche Zeile: „Diesen Kuss der ganzen Welt!“

Heute hören wir das Werk als den Wunschtraum von der einen Welt, als Hymne der Globalisierung: „Alle Menschen werden Brüder!“ – Das ist zwar Utopie, aber doch eine konkrete Forderung. Die eine, die ganze Welt, ist nicht ein Globus der Wirtschaftsbeziehungen und der politischen Strategien, sondern eine Erde der Brüderlichkeit.  

„Freude, schöner Götterfunken“ – dieser Gedanke durchpulst das Gedicht wie Beethovens Chorfinale, er elektrisiert die Sinfonie wie die Zuhörerschaft von Wien bis Tokio, von Petersburg bis nach New York.

Wie die Leser der Bezirkszeitung wissen,  wird das Dokumentationszentrum für die Europahymne, das in das Kulturprojekt von Susanne Rittenauer, das Beethoven Center Vienna im Eroica-Haus, integriert wird, die Entstehungsgeschichte der Hymne offen legen.

Denn: Die 9. Symphonie ist ein großes Kapitel europäischer Kulturgeschichte.    

Dr. Peter Diem hat einen deutschen Text zur Europahymne verfasst:

Unser Herz schlägt für Europa
und wir stehen dafür ein,
dass dem Erdteil es gelinge,
in der Vielfalt eins zu sein.

Ewig währen in Europa
Friede und Gerechtigkeit,
und die Freiheit seiner Völker
sei verbrieft auf alle Zeit.

 Blühe, Vaterland Europa,
bringt das große Werk voran!
Sternengold im blauen Banner,
dieses Zeichen führt uns an.