Hymnen begleiten das menschliche Leben, sie gehören zur Buntheit aller Kulturen. Sie sind Lobpreisungen
verschiedenster Art, schließlich stammt das Wort Hymne aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich nichts anderes als „Lied“, allerdings ein Lied oder ein Gesang, mit dem Götter und Helden
verherrlicht wurden. Berühmt sind die Hymnen, die der griechische Dichter Pindar im 5. Jahrhundert vor Christus zu Ehren jener Helden, die bei den olympischen Spielen gesiegt haben, gedichtet hat.
Hymnen sind Erkennungszeichen einer Gruppe von Menschen; sie können sich auf eine Land, eine Gegend, einen Verein und eine Stadt beziehen. Hymnen können entstehen, wenn Völker sich gegen
Unterdrücker wehren, wie die Tiroler gegen Napoleon und die Italiener gegen Österreich.
Auch Fußballvereine haben ihre Hymnen, ebenso wie die Wiener, die im Donauwalzer die Liebe zu ihrer Stadt
bekunden. Aber auch auf die ganze Menschheit kann sich eine Hymne beziehen. Dies geschieht in Schillers „Ode an die Freude“, die Beethoven seiner berühmten Melodie zugrunde gelegt hat.
Schiller war ein feuriger und revolutionärer Kopf, der mit dieser Hymne die Standesgrenzen des alten Adels
treffen und die Freiheit und Brüderlichkeit der Menschen proklamieren wollte. Und dies gefiel Beethoven. Dies gefiel aber auch dem Europarat, der die
Melodie Beethovens, aber ohne Text, 1972 zu seiner offiziellen Hymne bestimmte. Nun wurden dieser Melodie ein lateinischer und ein deutscher Text unterlegt,
der sich auf Europa bezieht - allerdings anders als bei Schiller, dessen Ode keine Grenzen kannte. Aber dennoch
klingt aus diesem neuen Text die alte weltbürgerliche und begeisternde Poesie Schillers. Es ist dieses schwärmerische Klingen, das den Zauber aller Hymnen
ausmacht.
Univ. Prof. Dr. Roland Girtler
Soziologe,
Autor zahlreicher Bücher, Kolumnist der Kronen-Zeitung