Beethoven in Wien

Trotz zahlreicher Gedenkstätten und Wohnorte in Wien und dessen weiterer Umgebung, die an Ludwig van Beethoven erinnern, fehlt es an einem Zentrum, an dem die Beethoven Forschung und die Transposition von Beethovens Geist in die Welt von heute ihren Sitz haben, um das Erbe des großen Klassikers einer aufgeschlossenen Mit- und Nachwelt zugänglich zu machen. Als ein solcher Sitz bietet sich von der Lage und Entstehungsgeschichte weltberühmter Werke her das Eroica-Haus in der Döblinger Hauptstraße an, das schon bisher eine der Beethoven-Gedenkstätten war, in dieser Funktion aber ausgebaut und erweitert werden könnte und sollte. Beethoven ist insbesondere durch die Vertonung des Schiller-Textes an die Freude „Freude, schöner Götterfunke“, die in die Europahymne Eingang gefunden hat, geradezu zu einem Träger und Symbol der Völkerfreundschaft geworden, in deren Zeichen die europäische Einigung vor sich gegangen ist und weiter fortschreiten soll. Beethoven wird in seinem musikalischen Schaffen oft unterbewertet und steht im Schatten des Duos Mozart und Haydn, bzw. des Trios Mozart, Haydn und Schubert. Es gibt also einige Gründe, um uns den Wahlösterreicher ganz einzuverleiben und durch die Dokumentation seiner Rezeption und Nachwirkung für eine zusätzliche Wirkung nicht nur für Touristen, sondern auch für Kenner und Liebhaber seiner Musik zu sorgen. Eine entsprechende Ausstattung des Eroica-Hauses könnte ein wichtiger Beitrag zu dieser Ausstrahlung und vermehrten Geltung sein. Ein solches Projekt ist jeder Förderung würdig und ehrt und adelt nicht nur Beethoven, sondern auch die hochherzigen Spender und Unterstützer.  

Univ. Prof. Dr. Norbert Leser