Beethoven: „Muss es sein? – Es muss sein! – Es muss sein!“  

Fragliches … Sachliches … Verwunderliches …                                                  

Von Guido P. Saner-Joos

Geburtsdatum: 16.12.1770 - gilt dies heute als gesichert? Beethoven selbst hält sich bis 1790 für ein Jahr, später gar für zwei Jahre älter als er wirklich ist. Sogar die vorhandenen Dokumente überzeugen ihn nicht. Handelt es sich um Fälschungen des Vaters, der seinen Sohn als Mozart-Wunderkind hoch stilisieren will?  

Vater Beethoven ist ab dem 12. Altersjahr Sänger im kurfürstlichen Chor in Bonn und wird nach dem Stimmbruch in der Bonner Hofkapelle als Tenorist 1784 laut amtlichem Bericht wegen Armut und „abständiger Stimm“ negativ beurteilt. Er ist bereits alkoholabhängig und wegen Betrugsverdachts wird er in das Verzeichnis des „Spürhunde“ (= anonyme Liste) eingetragen! Die Beethoven-Söhne entfernen den Vater wiederholt völlig betrunken aus den Wirthäusern, was oft von massiven Schlägen und Attacken begleitet ist; Vorboten der Taubheit?!  

Sein erstes öffentliches Konzert gibt Beethoven mit 8 Jahren; sein Vater hält nichts von einem Schulbesuch und zwingt den Buben schon längst rigoros auf eine Bank ans Klavier. So kommt Beethoven zeitlebens kaum über die Schulbildung der Grundrechenarten von Addition und Subtraktion hinaus.

Als 17-Jähriger wird Beethoven oft seiner untersetzten und auffällig dunklen Gesichtsfarbe wegen als „Spangol“ (= Spagnuolo = Spanier) gehänselt.

 Augsburg: Beethoven trifft auf seiner Rückreise von Wien nach Bonn (naher Tod seiner Mutter) mit der Klavierbauerfamilie Stein zusammen. Die Tochter, Maria Anna (Annette) Stein, die spätere Frau Streicher (Klavierbauer in Wien) wird später Beethovens „gute Haushalts-Fee“.  

Joseph Haydn nimmt Beethoven als seinen Schüler an. Sein Gönner, Graf Waldstein, notiert in Beethovens Stammbuch: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen.“ Zur wohlgesinnten Einführung bei Haydn bringt ihm Beethoven als Geschenke Schokolade und Kaffee nach Eisenstadt mit (19.6.1793). Der Unterricht verläuft jedoch eher problematisch, denn Haydns Lehrmethoden sind zu konservativ und Beethoven reagiert oft äußerst impulsiv. So nennt ihn Haydn auch bald „Großmogul“.

Werketablierung: Dies gelingt Beethoven in Wien auf Anhieb - im Gegensatz zu Haydn oder sogar teilweise zu Mozart. Geht es um sein Werk, versteht er aber keinerlei Spaß; er allein bestimmt den Werdegang seiner Werke. Bei störenden oder unruhigen Zuhörern bricht Beethoven ab und meint: „Für solche Schweine spiele ich nicht!“

„Mondscheinsonate“: Diesen Namen gibt Beethovens „Sonata quasi una Fantasia“ der Musikschriftsteller Ludwig Rellstab, der sich an eine Bootsfahrt bei Mondschein auf dem Vierwaldstädtersee in der Schweiz erinnert fühlt. Dort soll er das Werk vom See aus von den Festivitäten auf einer Hotelterrasse her gehört haben. Beethoven komponiert die Sonate eigentlich für seine Schülerin Giulietta Guicciardi, seine angeblich „unsterbliche Geliebte“.

Taubheit: Am 1. und  29.6.1801 berichtet Beethoven erstmals in Briefen an Carl Amenda und Franz Gerhard Wegeler von der sich anbahnenden Taubheit; die ersten Anzeichen gibt es aber bereits drei Jahre zuvor. Ab 1816 wird Beethoven fast völlig taub; bei der Musik ist er aber weit weniger behindert als im Alltagsleben. So bohrt er beispielsweise in das Orgelpositiv der Bergkirche in Eisenstadt links und rechts zwei Löcher. In diese steckt er zwei lange Drähte, die bis in die Ohren reichen, sodass er die Schwingungen wahrnehmen kann (ausgestellt im Haydn-Haus in Eisenstadt).

Hypochonder: Auch nahe stehende Beethovenkenner und -freunde bezeichnen ihn als „unseligen Hypochonder mit einer Grille im Kopf und im Herzen“. Er selbst lässt sich aber von den teils „gutmütigen und lustigen“ Wienern kaum beeindrucken. Sein 5. Klavierkonzert bringt er deshalb im Gewandthaus in Leipzig zur Uraufführung (1811).

Begegnung (1802): Zwischen Haydn und Beethoven in den Gassen Wiens; Haydn spricht ihn an: „Nun, gestern habe ich Ihr Ballett gehört, es hat mir sehr gefallen!“ Beethoven: „O, lieber Papa; Sie sind gütig; aber es ist ja noch lange keine Schöpfung!“ Haydn: „Das ist war, das glaube ich nur schwerlich, dass es dieselbe je erreichen wird!“ Beide sind verblüfft – und empfehlen sich gegenseitig.

Pasqualatihaus: Nach seiner „Dienstwohnung“ im Theater an der Wien bei Schikaneder zieht Beethoven erstmals ins Pasqualatihaus (Mölkerbastei; Innere Stadt 1239). Selbst wenn Beethoven wieder einmal wegzieht, lässt Baron Pasqualati die Beethovenwohnung leer stehen, denn er wird noch einige Male zurückkehren. Teils benutzt Beethoven in und um Wien bis zu vier Wohnungen gleichzeitig! Dennoch schmiedet er Übersiedlungspläne nach Paris und/oder Prag, England, Deutschland und Spanien – Pläne, die sich jeweils zerschlagen.

„Van“: Bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Vormundschaft für seinen Neffen Karl wird gerichtlich ausdrücklich festgestellt, dass es sich beim Namen Ludwig van Beethoven nicht etwa um einen Adelstitel handelt.

Metronom: Zu Mälzels Erfindungen gehört, nebst den Höhrrohren für Beethoven, das Metronom. Bereits die Tempi der Symphonien 1-8 (1817) sind danach festgelegt worden und auch Salieri empfiehlt das taktgebende Gerät enthusiastisch in einer öffentlichen Erklärung vom 14.2.1818.

Einkommen / Steuern: Für die Steuer deklariert Beethoven offizielle Einnahmen von 1500 Gulden (= ca. € 22.065). In den Spitzenjahren belaufen sich seine Einnahmen mit allen Nebeneinkünften durchaus auf über 20.000 Gulden (= ca. € 294.200) jährlich. Dennoch muss er in diesen Zeiten lediglich 5 % Steuern bezahlen; bis zu seiner Ehrenbürgschaft, wonach er taxfrei in Wien leben kann. In Wien lebt man zu dieser Zeit mit jährlich
500 Gulden (= ca. € 7.355) bereits komfortabel; allerdings verdient ein Taglöhner oder Arbeiter jährlich nur 25 Gulden (= ca. € 368); ein Mädchen in der Spinnerei sogar nur 17 Gulden (= ca. € 250). Dagegen besitzt der reichste private Österreicher des 18. Jh. (Graf Johann Fries) 175 Millionen Gulden (= ca. € 2.574,250.000). Er kommt in seinem Schlossteich in Vöslau unter mysteriösen Umständen ums Leben.

Landstreicher? In den schwierigen Jahren um 1824 tritt Beethoven fast wie ein herunter gekommener Landstreicher auf, wenn er in den Wiener Vorstädten in der Abenddämmerung cholerisch und gebeugt durch die Vorgärten „streunt“ und den Leuten durch die Fenster im Erdgeschoss glotzt! Dabei wird er von der Polizei sogar einmal festgenommen. Noch heute gilt dort zur Einschüchterung der kleinen Kinder die Warnung, „wenn du nicht brav bist, holt dich der Beethoven!“ Daneben sieht man Beethoven aber auch in nobler Garderobe in Baden bei Wien, die ihn auch nicht an einem ausgedehnten Spaziergang durch das Helental hindert. In Wirtshäusern äußert sich Beethoven öffentlich über seine politische Gesinnung, wobei er Napoléon rühmt, obwohl er vor solchen Äußerungen immer wieder gewarnt wird. Doch die Polizei weiß darum und lässt das grimmige, vor sich hin murmelnde Kunstgenie und den Phantasten in Ruhe. 

Der Hirnbesitzer: Beethovens Bruder erwirbt ein kleines Landgut und versendet seither stolz seine neuen Visitenkarten: „Johann van Beethoven, Gutsbesitzer“. Ludwig unterzeichnet in seinem nächsten Brief alsdann mit „Ludwig van Beethoven, Hirnbesitzer“!

Haare: Nach seinem Tod am 24.3.1827 wird Beethoven bis vor dem Begräbnis am 29.3.1827 im Sterbezimmer aufgebahrt. Die Andenkenjäger schneiden Beethovens Haare derart vom Kopf, dass er nahezu kahl beigesetzt wird.  Zudem zeigt die Obduktion eine Leberzirrhose und in der Bauchhöhle stauten sich 5,6 Liter grau-braune und trübe Flüssigkeit (nach Dr. Wagner); die Leber ist auf weniger als die Hälfte geschrumpft und alle Gefäße zeigen sich verengt, verdickt und blutleer. Die letzten Tage Beethovens müssen ein grauen- und schmerzvolles Dahinsiechen gewesen sein. U. a. die Auswirkungen des immensen Alkoholkonsums: jeweils eine Flasche (blei-gezuckerter) Tokajer; allein zum Nachtisch! Nebst seinem Lieblingswein (Vöslauer), und bereits zum Mittagstisch Champagner! Abgesehen davon, dass in Wien (teils bis heute) die Wasserleitungen aus Blei bestehen. Die neuesten kriminaltechnischen Forschungen aus den USA haben aufgezeigt, dass in Beethovens Haaren noch heute der 120-200fache Bleigehalt nachweisbar ist.                                                

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