Die Europahymne                                                                     

Im Jahre 1972 wurde das Vorspiel zur "Ode an die Freude" aus der IX. Symphonie Ludwig van Beethovens vom Ministerkomitee des Europarats zur Europahymne bestimmt. Beethoven hatte seine "Neunte" mit dem Text Friedrich Schillers in den Jahren 1822-1824 in Wien geschrieben. Das 1785 entstandene Gedicht entsprang Schillers idealistischer Vorstellung von Menschen, die zu Brüdern werden - eine Vision, die auch Beethoven teilte. Herbert von Karajan wurde damit beauftragt, drei Instrumentalfassungen - für Solopiano, Blas- und Symphonieorchester - zu arrangieren. In der universalen Sprache der Musik, soll die Hymne Ausdruck der idealistischen Werte Freiheit, Frieden und Solidarität sein, für die Europa steht. 1985 wurde das Musikstück von den Staats- und Regierungschefs der Union als offizielle Hymne der EU angenommen. Sie soll die Nationalhymnen der Mitgliedstaaten nicht ersetzen, sondern die Werte, die die Völker Europas teilen versinnbildlichen und seine Einheit in der Vielfalt ausdrücken.   

à  http://europa.eu.int/abc/symbols/anthem/index_de.htm   
      An dieser Stelle finden sich auch zwei Tonbeispiele.  

Seit einiger Zeit wird die Frage diskutiert, ob es wirklich sinnvoll ist, nur die Musik sprechen zu lassen, oder ob  zur emotionalen Verankerung des europäischen Gedankens der Melodie nicht auch Worte unterlegt werden sollten. Dabei stellt sich freilich die Frage nicht nur nach der Sprache, sondern auch nach dem Inhalt. Der Verfasser hat sich zunächst allein und in der Folge unter der Federführung von Dr. Peter Roland dieser Frage gestellt und sie wie folgt beantwortet:  

 1. Textvorschlag in englischer Sprache (Peter Diem): 

 

Unity has come to Europe,
Unity is here to stay.
Unity is our future -
Long live Europe, come what may!

North and South will work together  
Just as friends and neighbours should.
East and West will grow together -
Brotherhood and sisterhood!   

Europe, may your peoples flourish,
Let the common banner rise! 
Stars of gold and blue of sky
 /:Are the colours that we prize.:/

 

2. Textvorschlag in lateinischer Sprache (Peter Roland/Peter Diem)

 

EST EUROPA NUNC UNITA
ET UNITA MANEAT;
UNA IN DIVERSITATE
PACEM MUNDI AUGEAT. 

SEMPER REGANT IN EUROPA
FIDES ET IUSTITIA
ET LIBERTAS POPULORUM
IN MAIORE PATRIA.

CIVES, FLOREAT EUROPA,
OPUS MAGNUM VOCAT VOS.
STELLAE SIGNA SUNT IN CAELO
AUREAE, QUI IUNGANT NOS 

à  http://www.hymnus-europae.at

Peter Kox (a.a.O.107) weist  darauf hin, dass die dem „Te Deum“ des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier entlehnte „Eurovisions-Fanfare“  seit 1950 eine Art Vorgängerin der Europahymne war.

3. Textvorschlag in deutscher Sprache (Peter Diem)

 

Unser Herz schlägt für Europa
Und wir stehen dafür ein,
Dass dem Erdteil es gelinge,
In der Vielfalt eins zu sein. 

Ewig währen in Europa
Friede und Gerechtigkeit,
Und die Freiheit seiner Völker
Sei verbrieft auf alle Zeit.

Blühe, Vaterland Europa,
Bringt das große Werk voran!
Sternengold im blauen Banner,
Dieses Zeichen führt uns an.


Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass sich nicht nur Dr. Peter Roland unermüdlich für den lateinischen Text der Europahymne einsetzt, sondern dass auch andere Bemühungen stattfanden, der EU-Hymne zu einem Text zu verhelfen.
So hat der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Dr. Ingo Friedrich (CSU), Ende 2004 einen Wettbewerb ins Leben gerufen, dessen Ergebnis auf folgender Website eingesehen werden kann:

http://www.ingo-friedrich.de/index.php?menu=pm&ID=272

Für den Europäischen Kartellverband hat das Mitglied der K.Ö.H.V. Pannonia im ÖCV, Hofrat Dr. Paul Weiser v. Mond (1935-2005), eine EKV-Hymne geschaffen, die wie folgt lautet:

 

Vitae nostrae fundamentum 
fides Christiana sit, 
magna voce praedicamus; 
hic et nunc Europa fit! 
Litterisque dedicati 
unum semper petimus; 
Deus frater et Europa 
[:finis vitae maximus:]

Weiters hat der damalige Vorort im ÖCV, die Innsbrucker Verbindung K.a.V. Rheno-Danubia, 1999/2000 dem "Gaudeamus" folgende siebente Strophe hinzugefügt:

 

[:Gaudeamus igitur, Europaei sumus :]
Multis magnis bellis ductis,
terris claris Euro iunctis
[: nobis erit certa pax :]

 

Am 28. Mai 2008 wurde die Europahymne zum ersten Mal mit slowakischem Text gesungen. Auf Initiative der Wiener Pianistin Susanne Rittenauer brachte sie die junge Sängerin Lisa-Maria Jank bei einer Veranstaltung des Slowakischen Kulturinstituts (Leitung Mag. Teodora Chmelová) zum Vortrag.

Slowakischer Text zur Europa-Hymne 
Von Dr. Gerlinde Tesche und Jana Janošová


Európa rôznorodá,
konečne zjednotená,
už i pre nás pre Slovákov
si drahá domovina.  

Nech vždy vládnu v Európe
mier a práva občianske,
nech sloboda tá osobná
zárukou nám ostane.

Kvitni Európa naša!
Budúcnosť je pred nami
vlajka farby nevädzovej
s hviezdami nad Tatrami.

 

Wörtliche deutsche Version des slowakischen Textes:  

Europa in seiner Vielfalt
ist endlich vereint,
ist nun auch für uns Slowaken
geliebte Heimstatt geworden.

Mögen in Europa ewig herrschen
Frieden und Menschenrechte,
und möge persönliche Freiheit
auf immer uns erhalten bleiben.

Blühe, du unser Europa!
Die Zukunft liegt vor uns:
dies kornblumenblaue Banner
mit seinen Sternen über der Tatra.

 

     

Gerlinde Tesche, (Pseudonym: G. von Halle), geboren im Halle an der Saale, Studium der Slawistik (russische, serbokroatische und slowakische Literatur und Sprachwissenschaft), Germanistik und Osteuropageschichte in Berlin und Köln am Rhein. Ebenda Magister Artium 1968 und Promotion zur Dr.phil. 1973. Wohnhaft inZürich/Schweiz und in der Slowakei.